Rhino Slider + ARC II: Timelapse Bundle Test

Wer sich mit der Erstellung von professionellen Zeitraffervideos beschäftigt, wird relativ schnell einen Slider, also eine motorisierte Schiene samt programmierbarem Drehkopf auf seine Wunschliste packen. In meinem Test erfahrt ihr, welche Erfahrungen ich mit dem Time-Lapse Slider Bundle gemacht habe, welches neben einer motorisierten Carbon-Schiene den Motion-Control-Drehkopf ARC II enthält.

Alle Infos zum Rhino Time-Lapse Slider Bundle findet ihr auch im nachfolgenden Youtube-Video:

Rhino Slider ARC II Timelapse Bundle Test

Als ich im Jahr 2013 mit der Erstellung von Zeitraffervideos begonnen habe, war die Technik noch nicht so weit wie heute und der Aufbau sowie die Programmierung der entsprechenden automatisierten Bewegungen war relativ kompliziert. Heute acht Jahre später ist es schon beachtlich, wie sich die Technik weiterentwickelt hat. Das Endergebnis ist grundsätzlich das gleiche, doch der Aufbau ist überhaupt nicht mehr vergleichbar. Besonders faszinierend ist der simple Aufbau bei den Produkten von Rhino Camera Gear.

Einsatzzweck für einen Slider

Das Time-Lapse Slider Bundle von Rhino ist dabei keinesfalls nur für Zeitrafferaufnahmen geeignet. Wer butterweiche Kamerafahrten für Videos haben möchte, wird einen Slider nicht mehr missen wollen. Ich setze Slider inzwischen vor allem bei der Erstellung von hochwertigen Produktvideos und Werbefilmen ein. Mit einem Gimbal wie meinem DJI Ronin RS2 sind zwar auch schöne Kamerafahrten möglich, diese eigenen sich aber eher um größere Distanzen zurückzulegen. Für Produktvideos oder Makroaufnahmen ist ein Gimbal dagegen völlig ungeeignet. Für Kamerafahrten die maximal 90 cm lang sein sollen und vor allem für Makroaufnahmen, kommt man um einen Slider nicht herum, wenn ein professionelles Ergebnis wichtig ist.

Aufbau: Time-Lapse Slider Bundle

Dieser 42-Zoll-Carbon-Slider ermöglicht eine tatsächliche Kamerafahrt von 90 cm, wenn man die Abmaße der Befestigungsplatte berücksichtigt. Der Carbon-Slider selbst wiegt laut meiner Messung nur 2,5 kg, samt Motor sind es 3,1 kg und mit dem ARC II liegt das Gesamtgewicht bei rund 5,9 kg. Immer mehr Videoprodukte setzen inzwischen auf Carbon-Elemente, beim recht neuen DJI Ronin RS2 ist dies ja auch der Fall.

Beim Time-Lapse Slider Bundle wird der vibrationsärmere High Torque-Motor mitgeliefert, im Gegensatz zum High-Speed-Motor kann dieser eine deutliche höhere Nutzlast bewegen und der Slider kann damit auch senkrecht betrieben werden – hier unbedingt darauf achten, dass der Motor dann am oberen Ende des Sliders ist. Bei der ersten Inbetriebnahme ist das Time-Lapse Slider Bundle blitzschnell aufgebaut. Der Motor wird einfach auf den Slider gesteckt und zwei Schrauben müssen nur von Hand festgezogen werden. Vor der ersten Fahrt sollte nicht vergessen werden die Sicherung zu lösen.

Anschließend wird der ARC II montiert. Nettes Gimmick: Das Menü bietet eine Funktion, um den ARC II am Slider automatisch festzuziehen. Am ARC II befindet sich noch ein Werkzeug, welches auch gleichzeitig ein Flaschenöffner ist und damit wird das Gerät dann zur Sicherheit noch von Hand etwas festgezogen. Auch die Demontage kann automatisiert erfolgen, hier hat jemand wirklich mitgedacht.

Im ARC II befindet sich auch die Batterie für das komplette System samt Slider-Motor. Damit der High Torque-Motor mit Strom und den Steuerbefehlen versorgt wird, wird dieser mit dem beiliegenden RJ45-Netzwerkkabel mit dem ARC II verbunden, der Slider kann also nicht ohne ARC II betrieben werden. Dies ist auch das einzige Kabel, welches für den Betrieb benötigt wird, simpler ist ein Aufbau kaum möglich.

Der Slider selbst verfügt an den Enden über ausklappbare Standfüße, in einigen Situation müssen so nicht mal Stative mitgeschleppt werden. Besonders praktisch sind diese ausklappbaren Standfüße bei bodennahen Aufnahmen. Am besten betreibt man den Slider aber mit zwei Stativen. Zwar befindet sich auch in der Mitte ein Stativanschluss, ich rate aber aus Stabilitätsgründen davon ab nur ein Stativ zu verwenden, wenn man nicht gerade ein massives Studio-Säulenstativ mit einem Gewicht von um die 100 Kilogramm besitzt. Und selbst damit habe ich in einem Studio bei einem Fotografen aus Nürnberg, der ebenfalls das Rhino-System nutzt, keine guten Erfahrungen gemacht. Gerade bei Makroaufnahmen mit dem Venus Optics Laowa 24 mm f14 Probe sind keine komplett wackelfreien Kamerafahrten möglich, wenn nur der mittlere Stativhalter genutzt wird.

Mit einem optionalem Batterie-Dummy-Adapter kann die Batterie im ARC 2 außerdem die Kamera mit Strom versorgen, was ich aber mangels Adapter nicht ausprobieren konnte. Falls der ARC 2 für Zeitrafferaufnahmen die Kamera steuern soll, benötigt ihr noch ein entsprechendes Kamerakabel (siehe Link zu Amazon*), dieses wird nicht mitgeliefert und je nach Hersteller wird hier ein passendes Kabel benötigt, da es hier keinen Standard gibt.

LRTimelapse Pro Timer 3 mit ARC II nicht kompatibel

Kürzlich habe ich den LRTimelapse Pro Timer 3 Intervallauslöser getestet, dieser bietet viele nützliche Funktionen für professionelle Zeitrafferfotografen. Damit der Pro Timer 3 mit einem Slider verwendet werden kann, muss dieser in einen Slave-Modus versetzt werden. Rhino hat mir mitgeteilt, dass beim ARC II darüber nachgedacht wurde, aber die Nachfrage nach diesem Feature sehr gering war und es aktuell noch keinen Slave-Mode gibt, aber diese Funktion vielleicht für die Zukunft in Betracht gezogen wird. Möchte man also den Pro Timer 3 zusammen mit einem Slider nutzen, muss man derzeit beispielsweise zu Produkten von Emotimo, Dynamic Perception oder Black Forest Motion greifen. Der Pro Timer 3 ist natürlich nicht unbedingt erforderlich, auch mit dem ARC II lassen sich dank den guten Timelapse-Einstellungen tolle Zeitraffervideos erstellen.

Wichtiger Hinweis: Bei der Zeitraffer-Aufnahme sollte man bei Canon-Kameras unbedingt darauf achten, dass im Kameramenü „Einzelbild“ und nicht „Reihenaufnahme“ eingestellt ist, da er sonst statt einem Bild viele Bilder hintereinander schießt und die Zeitrafferaufnahme unbrauchbar ist. Meine Kameras sind standardmäßig auf „Reihenbildaufnahme“ eingestellt und so hat es bei mir etwas gedauert, bis ich die Ursache dieses Problems gefunden hatte.

Rhino ARC 2: Programmierbarer Motion Controller

Herzstück des ganzen Systems ist der bereits erwähnte Motion Controller ARC II. Dieser ist für die Steuerung des Slider-Motors notwendig und führt außerdem Schwenk- (Pan) und Neigebewegungen (Tilt) der Kamera aus. Dazu arbeitet man mit sogenannten Keyframes. Mit einem kleinen Joystick, der an einen Playstation-Controller erinnert, legt man zunächst einen Startpunkt fest. Anschließend fährt man den Slider und den ARC-II-Kopf in die gewünschte Kamera-Endposition und setzt dann einen zweiten Keyframe. Das war es auch schon, diese Strecke fährt das System dann automatisiert und gleichmäßig ab. Aktuell sind nur zwei Keyframes möglich, Rhino arbeitet laut einem Ticket aus dem Jahr 2019 daran weitere Keyframes hinzufügen zu können, einen Link dazu findet ihr in der Videobeschreibung.

Der Loop-Modus ist bei Videoaufnahmen besonders praktisch, wenn Szenen erst getestet oder wiederholt werden sollen. Für professionelle Produktionen ist es von großem Vorteil, dass die Bedienung komplett am Gerät erfolgen kann und kein Smartphone oder eine App erforderlich ist. Slider von Firmen wie Edelkrone oder Black Forest Motion setzen zur Bedienung eine App voraus. Wer den Rhino-Slider gerne mit einer App bedienen möchte, kann dies aber auch tun, nur der Time-Lapse-Modus steht in der App noch nicht zur Verfügung und es erscheint der Hinweis „Feature Coming Soon“. Praktisch ist die App vor allem, wenn bei Videoaufnahmen manuelle Kamerafahrten durchgeführt werden sollen, falls die aktuell zwei möglichen Keyframes nicht ausreichen. Außerdem vermeidet man so Wackler, denn während einer Aufnahme sollte man den ARC II lieber nicht bedienen. Weiterhin kann die Smartphone-Kamera als Tracker für einen Interview-Modus eingesetzt werden. Der Motor für den Slider und auch der Motor im ARC II sind übrigens sehr leise und arbeiten bei langsamen Kamerafahrten nahezu lautlos. Das ist natürlich wichtig, falls man sich selbst oder andere Personen im Interview-Modus filmt.

Hack für schnellere Kamerafahrten

Der High Torque-Motor ist eher für langsame Kamerafahrten geeignet. Etwas gestört hat mich bei den ARC-II-Einstellungen, dass bei Videoaufnahmen Kamerafahrten immer mindestens 40 Sekunden dauern und der Wert nicht nach unten angepasst werden kann. Egal ob die Kamera also eine Strecke von 90 cm zurücklegt oder nur 10 cm, die Kamerafahrt dauert immer mindestens 40 Sekunden und man muss dann in der Videoschnittsoftware die Geschwindigkeit bei Bedarf erhöhen. Auf Nachfrage hat mir aber Rhino mitgeteilt, dass in den nächsten Monaten ein Update für den High Torque-Motor erscheinen soll, der kürzere Intervalle bei kleineren Fahrten ermöglichen soll.

Doch jetzt kommen wir zum Trick: Der ARC II kann auch als Stand-alone-Gerät ohne Slider und damit auch ohne den High Torque-Motor betrieben werden. Besonders praktisch ist dies, wenn man mobil sein möchte, aber dennoch professionelle Kamerabewegungen mit automatisierten Neige- und Schwenkbewegungen durchführen möchte. Dabei kann man im ARC-II-Menü den verwendeten Motor auswählen. Ist hier der High Torque-Motor ausgewählt, wird die Drehkopfbewegung auch mit mindestens 40 Sekunden festgesetzt, auch wenn der Slider samt Motor gar nicht verwendet wird. Hier habe ich einen kleinen Hack entdeckt. Verwendet ihr nur den ARC II, könnt ihr im Menü einfach den High Speed-Motor auswählen und dürft dann ab sofort bei Videobewegungen 12 Sekunden statt 40 Sekunden auswählen. Vergesst nur nicht die verwendete Motor-Version wieder umzustellen, falls ihr den ARC II wieder mit dem Slider verwendet. Hat man aus Versehen den falschen Motor ausgewählt, merkt man dies, weil die Kalibrierungsfahrt dann nicht in Richtung des Motors stattfindet. Wer dagegen schnellere Videobewegungen samt Slider realisieren möchte, kommt derzeit um den High Speed-Motor nicht herum, der für 250 US-Dollar* auch einzeln angeboten wird.

Rhino-Slider: Preise und Lieferung aus den USA

Das Time-Lapse Slider-Bundle wurde mir von Rhino zur Verfügung gestellt und direkt aus den USA zugeschickt. Aktuell kostet das Bundle im Rhino-Online-Shop 2.650 US-Dollar*, was umgerechnet etwa 2.218 Euro entspricht, hinzu kommen noch die Versandkosten. Die Lieferung per FedEx hat in meinem Fall genau neun Tage gedauert. FedEx hat mich dabei in diesem Zeitraum bezüglich einer Zollauskunft kontaktiert sowie die Zollabfertigung übernommen und ich musste bestätigen, dass ich die Zollgebühren dem FedEx-Zusteller in Bar aushändige. Bei der Zustellung wollte der Fahrer zu meiner Verwunderung dann kein Geld, 17 Tage später habe ich aber von FedEx eine Rechnung über Vorlageprovision, Zölle und die Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von rund 600 Euro erhalten. Falls ihr das Rhino Time-Lapse Slider Bundle über meinen Affiliate-Link* bestellt, erhalte ich eine kleine Provision und ihr unterstützt somit meinen Blog.

Fazit: Rhino Time-Lapse Slider Bundle

Schönes High-End-Equipment ist schön und gut, aber was nützt dies, wenn der Aufbau und die Bedienung kompliziert sind und man sich am Ende doch gegen den Einsatz entscheidet? Gerade bei Zeitrafferaufnahmen kam aus diesem Grund mein bisheriger Slider nur sehr selten zum Einsatz und wurde vor allem für Produktvideos und Werbefilme im Studioeinsatz genutzt. Genau hier liegt der größte Vorteil vom Rhino-System samt ARC-II-Motion-Controller. Das Bundle kann in der mitgelieferten und sehr wertigen Tragetasche komplett montiert verstaut werden, selbst der ARC II muss dazu nicht vom Slider demontiert werden. Die Bedienung mit dem Joystick samt dem Setzen von Keyframes ist kinderleicht, sodass auch ohne großen Zeitpuffer der Sonnenuntergang zukünftig nicht mehr verpasst wird. Die App ist ein nettes optionales Gimmick, ich arbeite aber lieber mit dem Joystick. Positiv ist auch, dass Rhino weiterhin an der Optimierung des Geräts und an neuen Firmware-Updates arbeitet und so meine Kritikpunkte mit den nur zwei möglichen Keyframes und die langsamen Kamerafahrten mit dem High Torque-Motor bei kurzen Distanzen hoffentlich bald der Vergangenheit angehören. Mit einem Kaufpreis von rund 3.000 Euro inklusive Versand und Zollgebühren (mit der günstigsten Versandmethode UPS Ground spart man im Gegensatz zu FedEx bis zu 140 Euro und kommt so auf etwa 2.860 Euro) ist das Bundle auf den ersten Blick kein günstiges Vergnügen, doch sein Geld für professionelle Zwecke allemal wert, gerade im Studioeinsatz bei der Produktion von Produktvideos ist dies ein unverzichtbares Hilfsmittel und hier liegt auch zukünftig mein Haupteinsatzzweck.

Link-Übersicht zu den erwähnten Produkten

Rhino Time-Lapse Slider Bundle kaufen*
Rhino High Speed Motor kaufen*
Kamerakabel für Rhino ARC II bei Amazon kaufen*
Aktueller Status zum Thema weitere Keyframes bei Rhino*
LRTimelapse Pro Timer 3*
Infos zum LRTimelapse Pro Timer 3 Slave-Modus*
DJI Ronin RS2*

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